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Leo Lania
* 13. 8. 1896 in Charkow, Russland; † 9. 11. 1961 in München

(eigentlich: Lazar Herman), Schriftsteller, Journalist, ab 1915 Mitarbeiter »Arbeiter-Zeitung« Wien, 1919 Mitglied KPÖ und Redakteur »Rote Fahne«, 1922–26 Mitarbeiter »Weltbühne« (24 Beiträge), 1923 Auslandskorrespondent »Chicago Daily News«, 1926 Lokalredakteur »Berliner Börsen-Courier«, Mitarbeiter »Das Tagebuch«, 1927–29 Redakteur »Die neue Bücherschau« München, Drehbuch zu Film »Dreigroschenoper«, 1932 Emigration Österreich, 1933 Frankreich, 1940 Portugal und USA, ab 1946 Redakteur »United World Magazine«, Mitte 1950er Rückkehr nach Deutschland (BRD).

Leo Lania war der Sohn eines Arztes und Universitätsprofessors aus dem ukrainischen Charkow. Nach dessen Tod zog er 1904 zu seinen Großeltern nach Wien, wo er Schule und Handelsakademie besuchte. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte er einer Studentengruppe an, zu der auch die Geschwister Gerhart und Elfriede Eisler (= Ruth Fischer) sowie Paul Friedländer und Karl Frank gehörten. Ab 1915 war er Mitarbeiter der sozialistischen »Arbeiter-Zeitung« in Wien. Im selben Jahr meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, den er an der Ostfront als Artillerie-Offizier ableistete.

Nach dem Krieg trat er der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) bei und wurde Redakteur der »Roten Fahne«. Im September 1921 wechselte er nach Berlin, wo er die Internationale Telegraphenagentur (Intel) gründete. Einen Scoop landete er 1923, als er sich als italienischer Faschist getarnt Zugang zu Adolf Hitler und dem »Völkischen Beobachter« in München verschaffte. Er veröffentlichte anschließend eines der ersten international beachteten Interviews mit Hitler. Hintergrund der Aktion könnte gewesen sein, dass Lania tatsächlich zunächst ein Anhänger Benito Mussolinis gewesen war, jedoch nach dessen Aufbau der faschistischen Bewegung mit ihm gebrochen hatte. Lania war Berichten zufolge schon 1912 Mussolinis Mitarbeiter in Mailand.

Seine Erfahrungen mit der aufkommenden Nazi-Bewegung fasste Lania in den Büchern Die Totengräber Deutschlands (1924) und Der Hitler-Ludendorff-Prozeß (1925) zusammen. Zwischenzeitlich war er außerdem Korrespondent für die »Chicago Daily News«, gründete er zusammen mit Bruno Frei die Presseagentur ABC (1923) und war Lokalredakteur beim »Berliner Börsen-Courier« (1926). Für die »Weltbühne« schrieb von 1922 bis 1926. Lanias Waffenschmuggel-Buch Gewehre auf Reisen lobte Kurt Tucholsky 1924 in der »Weltbühne« als »von der ersten bis zur letzten Zeile interessant«.

Von Mitte der zwanziger Jahre an wandte sich Lania verstärkt Theater und Film zu. Er wurde Mitglied im Dramaturgenkollektiv der Ersten Piscatorbühne (1927/28). Für die Verfilmung von Bertolt Brechts Dreigroschenoper schrieb er das Drehbuch. Bereits 1932 ging er wegen der drohenden Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Wien, Ende 1933 weiter nach Paris. Dort schrieb er für die Emigrantenzeitung »Pariser Tageblatt«/»Pariser Tageszeitung«. Nach Kriegsausbruch wurde er 1939 für mehrere Monate inhaftiert. Kurz vor der Auslieferung an die deutschen Besatzer gelang ihm 1940 die Flucht nach Südfrankreich, von dort mit seiner Familie über Spanien und Portugal in die USA.

In den USA publizierte er weiter als freier Schriftsteller und arbeitete für die US-Propagandaeinrichtung Office of War Information (OWI) als Anti-Nazi-Experte. Er engagierte sich der Emigrantenorganisation »Austrian Action«.

Nach dem Krieg ging Lania als Korrespondent für amerikanische Medien (»United World Magazine«) nach Europa, wo er auch Vorträge hielt. In den 1950er Jahren kehrte er dauerhaft nach München zurück. Er schrieb eine Biografie über Ernest Hemingway und unterstützte den damaligen West-Berliner Bürgermeister Willy Brandt beim Verfassen einer Autobiografie. 1965 starb Lania in München.

Werke (Auswahl)

Gewehre auf Reisen. Bilder aus deutscher Gegenwart. Berlin 1924 (Reprint München 2002)

Die Totengräber Deutschlands. Das Urteil im Hitlerprozess. Berlin 1924

Der Hitler-Ludendorff-Prozess. Berlin 1925

Gruben, Gräber, Dividenden. Berlin 1925

Indeta, die Fabrik der Nachrichten. Berlin 1927

Nikolaus II. Berlin 1928

Der Tanz ins Dunkel. Anita Berber – ein biographischer Roman. Berlin 1929

Land im Zwielicht. Roman. Wien 1949

Welt im Umbruch. Biographie einer Generation. Frankfurt am Main 1954

Der Außenminister. Roman. München 1960

Hemingway. Eine Bildbiographie. München 1960

Mein Weg nach Berlin. Willy Brandt. Aufgezeichnet von Leo Lania. München 1960

Literatur

Jürgen Schebera: »Lania, Leo«, in: Simone Barck (Hg.): Lexikon sozialistischer Literatur. Ihre Geschichte in Deutschland bis 1945. Stuttgart 1994, S. 283f.

»Lania, Leo«, in: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. München 1999

»Leo Lania dead; Newsman was 65«, in: New York Times, 10. 11. 1961, S. 36